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Nils Wogram & Root 70 - On 52nd 1/4 Street
CD
Komponist: Hayden Chisholm - Root 70 - Nils Wogram
Interpret: Hayden Chisholm - Matt Penman - Jochen Rückert - Nils Wogram
Nils Wogram: trombone / Hayden Chishom: alto sax / Matt Penman: bass / Jochen Rückert: drums
Bestell-Nr.: INT 34232 14,99 €  In den Warenkorb

Preis inkl. MwSt. und zzgl. Versandkosten

"Preis der deutschen Schallplattenkritik" (Bestenliste4/2008) für die CD in der Kategorie Jazz als herausragende Produktion.

„Ich möchte die Tradition weiterführen, aber nicht in einer Sackgasse landen.“ (Nils Wogram)

Die Generationendebatte ist längst auch im Jazz angekommen. Wo die Einen ihr Heil in der ungebrochenen Hingabe an die Tradition sehen, schließen andere jede Nähe zu den Jazz Roots kategorisch aus. Posaunist Nils Wogram ist ein Mann des kreativen Ausgleichs. Mit Gruppen wie Nostalgia und Root 70, aber auch in anderen Konstellationen fand er immer wieder neue Scharniere zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Rücksicht und Ausblick. Der besondere Charme seiner musikalischen Abenteuer bestand immer darin, dass er dabei stets ohne jede Programmatik oder didaktischen Ansätze auskommt. So auch auf dem neuen Album von Root 70 mit dem geheimnisvollen Titel „Root 70 on 52nd ¼ Street“.

Ein bisschen klingt es ja mit der Viertelstraße nach Harry Potter, doch der Ansatz von Wogram, Saxofonist Hayden Chisholm, Bassist Matt Penman und Drummer Jochen Rückert war ein ganz anderer. Obwohl auch sie ein wenig zaubern. Sie entführen den Hörer in eine Ära des Jazz, die lange vor ihrer eigenen, im Logo der Band manifestierten Geburt lag. Root 70 mit einem Standard-Album? Wer genau hinhört, wird erfreut feststellen, dass dem nicht so ist. Root 70 sind auf geheimer Mission, um den geneigten Hörer in eine imaginäre Vergangenheit zu locken. Mit anderen Worten, sie spielen Standards, die gar keine sind, sondern – so vertraut sie auch klingen mögen – ausschließlich aus eigener Feder stammen. Doch – und das macht ihr Spiel mit dem Heute und Gestern so doppelbödig – gerade indem sie das tun, berufen sie sich wiederum auf die größten Momente des Jazz. „Alle Stücke basieren auf Broadway-Stücken“, erklärt Wogram die Regeln dieses Spiels. „Das ist ja nicht wirklich neu, denn schon Charlie Parker hat neue Themen über bekannte Akkordfolgen geschrieben. Wir wollten ein Album machen, das vordergründig nach Straight Ahead Jazz klingt, aber im Detail voller Intonationsverschiebungen ist.“

„Root 70 on 52nd ¼ Street“ ist weit mehr als der im Jazz viel zitierte neue Wein in alten Schläuchen. Wogram und Co. wollten sich keineswegs damit begnügen, neue Songs im Bebop-Gewand auf alt zu trimmen. Zwar haben sie die CD auch aufnahmetechnisch so abgestimmt, dass dem aufmerksamen Ohr ein Hauch von Authentizität aus den Boxen weht, aber in die Songs schleichen sich Töne ein, die man im Kontext des Mainstream Jazz so noch nicht gehört hat. Und genau an diesem Punkt kommt die ¼ Street ins Spiel. Doch das erklärt Nils Wogram am besten selbst. „Alle Stücke sind so angelegt, dass wir statt der zwölf chromatischen insgesamt 24 Töne benutzen. Das heißt, zwischen den Halbtönen gibt es immer noch einen kleinen Schritt. Das haben wir ganz unterschiedlich angewendet, mal ein bisschen bluesig in einzelnen Tönen, mal als ganzen Akkord, der sich leicht verschiebt, mal gibt es eine Basslinie mit bestimmten Durchgangstönen. So entsteht ein etwas anderes Klangbild.“

Das neue Album von Root 70 richtet sich an ganz unterschiedliche Hörer, die den Jazz im Allgemeinen und diese CD im Besonderen aus geradezu entgegengesetzten Perspektiven wahrnehmen. Der traditionelle Jazzhörer mag angesichts der neuen Stücke fieberhaft überlegen, woher er sie kennt, während der Fan neuerer Jazztöne überrascht feststellt, die Tradition ist ja doch nicht so schlecht. „Die Herausforderung bestand darin, etwas zu machen, das nicht nur gut gespielt und dicht am Original ist. Wäre es so, könnte man sich ja auch die Originale von 1957 anhören“, hält Wogram fest. „Wir wollten die sinnliche Ebene der Musik beibehalten und doch etwas Neues daraus machen. Wir hätten ja auch ein vierteltöniges Album machen können, das völlig dissonant ist. Aber wir wollten die traditionelle Anmutung der Musik nicht zerstören, sodass sich der Hörer auf die eine oder andere Ebene einlassen oder es sogar zweigleisig hören kann.“

Mit seinem undogmatischen Bekenntnis zu den Jazz-Roots setzt das Quartett einen wirkungsvollen Kontrapunkt zur gegenwärtig grassierenden Traditionseuphorie im Jazz. Selbst wenn sich die Vier auf die Altvorderen aus der Jazzgeschichte berufen, tun sie das nicht auf den Knien, sondern auf Augenhöhe. „Charlie Parker und Dizzy Gillespie waren ja damals absolute Avantgardisten“, gibt Wogram zu bedenken. „Sie kamen aus dem Swing, waren aber für ihre Zeit total radikal. Hinter dem Jazz steht ja ein künstlerischer Gedanke, der weit über die Idee der Reproduktion hinausgeht. Bei aller Verehrung muss man sich Gedanken machen, warum Coltrane und Parker damals so gut waren. Weil sie originell und konsequent waren.“ Auch Root 70 rekapitulieren gern die guten alten Zeiten, vor den Beatles, als der Jazz noch richtig populär war. Doch sie suchen und finden stets den aktuellen Bezug ihrer fiktiven Erinnerungen zur Gegenwart. Gerade in diesem heiklen Punkt heben sie sich von jener trägen Mehrheit von Jazzmusikern ab, „die entweder nicht in der Lage sind, der Tradition ihre schönen Momente abzugewinnen, oder denen einfach nichts neues mehr einfällt.“

„Root 70 on 52nd ¼ Street“ ist ein Konzeptalbum einer Band, die eigentlich im konzeptfreien Raum operiert. Auch wenn die Band sich diesmal selbst einen konzeptionellen Rahmen auferlegt hat, erschlägt sie den Hörer dennoch nicht mit der Konzeptkeule. Die Stücke werden mit unprogrammatischer Leichtigkeit weiter gegeben. Man kann sich in der melodiösen Kraft der Themen, in der Interaktion der Musiker und den Soli verlieren, ohne an den Überbau auch nur einen einzigen Gedanken verschwenden zu müssen. Ein stimmiges und starkes Jazzalbum, gemacht im und für das neue Jahrtausend, mit einem konzeptionellen Mehrwert, der ein Füllhorn an Zukunftsoptionen bereithält.

Auszeichnungen

2008 | Preis der deutschen Schallplattenkritik

Preis der deutschen Schallplattenkritik

Mehr als 100 Musikkritiker bilden die Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik und wählen herausragende Produktionen für die Bestenliste oder den Jahrespreis aus.


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Bestenliste 4/2008

Inhalt:
Immaculate Conception
Wrong Lips
Hyper You
Tight, Out Of Sight
Jilt
The Gift
Ding Dong
Ex
Me, Myself And I
Treatment
Bend Your Branch
Nils Wogram & Root 70 - On 52nd 1/4 Street
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