Abschied von Charlie Mariano
Charlie Mariano hat lange dem Krebs widerstanden. Am 16. Juni 2009, nach mehr als 85 erfüllten Lebensjahren, hat er den Kampf verloren. Alle, die ihn kannten, trauern um ihn. Solange er konnte, war er musikalisch aktiv. Köln war eine Wahlheimat des US-Amerikaners, der schon mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie spielte. Die andere war Indien, wo er oft monatelang lebte und arbeitete. So ist er nicht nur durch die Zusammenarbeit mit den genannten Jazzgrößen oder mit deutschen Künstlern und Bands (wie Dieter Ilg oder Herbert Grönemeyer) bekannt geworden, sondern auch durch seine tiefe Kenntnis und Verbundenheit mit der indischen Musik. Zahlreiche Alben erschienen unter anderem bei MPS, Enja, Jazz4Ever, INTUITION und Double Moon Records.
Wir verneigen uns vor einem großen Künstler und Menschen.
Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik
“Nils Wogram & Root 70: On 52nd ¼ Street“ sowie “Abdullah Ibrahim: Senzo“ sind mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik – Bestenliste 4/2008 ausgezeichnet worden.
Beide CDs wurden in der Kategorie Jazz als herausragende Produktionen prämiert.
„Do The Don’t“ (jetzt erstmalig und mit fünf Bonusstücken in Europa veröffentlicht) ist ein unverzichtbares Juwel für jeden Blues-Liebhaber, der in dieser Musik mehr als einen wehmütigen Trip in eine imaginäre Vergangenheit sieht. Blues in der vollen Manneskraft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Ein Klassiker.

Elliott Sharp's Terraplane: Do The Don't
Das lang erwartete Solo Album von Abdullah Ibrahim liegt vor!
„Senzo“ ist nicht weniger als ein Meisterwerk. Gerade die unverkrampfte Verankerung des spontan eroberten Augenblicks in der Ewigkeit hebt dieses Album über die Unmengen von Piano-Alben heraus, von denen der Markt derzeit überschwemmt wird. Alles funktioniert genau so, wie wir es da hören, und könnte doch auch völlig anders sein.

Abdullah Ibrahim: Senzo
Der Name Abdullah Ibrahim gehört so untrennbar zur Jazzgeschichte wie Duke Ellington, John Coltrane, Ornette Coleman oder Don Cherry. Mit allen genannten Musikern hat der Pianist eng zusammengearbeitet, und doch ist seine Lebensgeschichte eine ganz einzigartige Story, die eng mit den globalen Geschicken des 20. Jahrhunderts verbunden ist.
Abdullah Ibrahims Ton ist von nahezu erschütternder Klarheit. Was sich für den Jazz-Kenner wie ein Höchstmaß musikalischer Reduktion auf die Essenz des Ausdrucks ausmacht, ist für den jazzfremden Hörer einfach nur entwaffnend schöne Musik. Ibrahim improvisiert, ohne dabei seinen oder den Intellekt des Hörers zu überfordern. Ibrahims unbefangen intimes Verhältnis zum Ton kombiniert die abgeklärte Weisheit eines alten Schamanen mit der unstillbaren Neugier eines kleinen Jungen. Nicht selten vergisst man ganz und gar, dass da ein Piano erklingt, und glaubt einfach nur ein Kind mit heller Stimme singen zu hören.
Auf „East Of The Aegean“ passiert nicht weniger, als dass einer der großen Kämpfer des 20. Jahrhunderts Frieden mit sich selbst schließt. Ein großes Album mit kleinen Liedern voller Liebe und vorausschauender Erinnerung.

Mikis Theodorakis: East Of The Aegean
Nach seinen Oratorien, Liturgien, Sinfonien, opulenten Soundtracks und groß angelegten Liederzyklen ist das Letzte, was man von Mikis Theodorakis jetzt erwarten würde, ein ganz leises Album, das nur auf dem melodischen Flüstern von Cello und Klavier beruht. Ein Klang, der mehr dem Unterbewusstsein als der Realität abgelauscht scheint.
Er selbst bezeichnet den Zyklus als Ode an den Lyrismus, also eine musikalische Verneigung vor literarischen Themen. Viel mehr noch sind die 21 Miniaturen nachdenkliche Reflexionen über das eigene Dasein. Sie wirken wie Postkarten oder das Notizbuch eines Malers voller Skizzen mit Momenteindrücken aus der griechischen Küstenwelt. In einem flüchtigen Augenblick reichen sich Antike und Gegenwart die Hand zu einem Kontinuum, das über sterbliche Lebensläufe weit hinausreicht. In Henning Schmiedt und Jens Naumilkat fand Theodorakis zwei Musiker, die für die sensible Umsetzung dieses Liederzyklus‘ prädestiniert sind. Auf „East Of The Aegean“ balancieren sie traumwandlerisch durch die musikalische Fantasie eines Mannes, der für seine Lieder schon im Gefängnis saß, als sie noch nicht einmal geboren waren.
Posaunist Nils Wogram ist ein Mann des kreativen Ausgleichs. Mit Gruppen wie Nostalgia und Root 70, aber auch in anderen Konstellationen fand er immer wieder neue Scharniere zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Rücksicht und Ausblick. Der besondere Charme seiner musikalischen Abenteuer bestand immer darin, dass er dabei stets ohne jede Programmatik oder didaktischen Ansätze auskommt. So auch auf dem neuen Album von Root 70.

Nils Wogram & Root 70: On 52nd 1/4 Street
„Root 70 on 52nd ¼ Street“ ist ein Konzeptalbum einer Band, die eigentlich im konzeptfreien Raum operiert. Auch wenn die Band sich diesmal selbst einen konzeptionellen Rahmen auferlegt hat, erschlägt sie den Hörer dennoch nicht mit der Konzeptkeule. Die Stücke werden mit unprogrammatischer Leichtigkeit weiter gegeben. Man kann sich in der melodiösen Kraft der Themen, in der Interaktion der Musiker und den Soli verlieren, ohne an den Überbau auch nur einen einzigen Gedanken verschwenden zu müssen. Ein stimmiges und starkes Jazzalbum, gemacht im und für das neue Jahrtausend, mit einem konzeptionellen Mehrwert, der ein Füllhorn an Zukunftsoptionen bereithält
Nach ihrem Soloalbum „Theremin: Russia With Love“ strebte Barbara Buchholz nach etwas Neuem. Für „moonstruck“ hat sie auf die Zusammenarbeit mit Künstlern gesetzt, die eine nahe liegende künstlerische Haltung an den Tag legen. Von Arve Henriksen über das Kammerflimmer Kollektief bis hin zu Ulrike Haage hat eine beeindruckende Schar von Künstlern Kompositionen beigesteuert bzw. mitgewirkt.

Barbara Buchholz: Moonstruck
Barbara Buchholz ist ein ganz einzigartiges Album gelungen, bei dem man zuweilen sogar vergisst, dass man überhaupt Theremin hört. Sie malt das Bild von einem Ozean der Klänge, in dem man unendlich treiben kann. Man behält die stilistischen Ufer im Auge, wird sie jedoch nie erreichen. Die Strömung dieser Musik folgt ganz eigenen Gesetzen, die noch in keinem musikalischen Atlas oder Tafelwerk fest-gehalten sind. Mit der unambitionierten Schlichtheit ihrer Ästhetik hat Barbara Buchholz dem Theremin einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Dies allein würde die CD zu einem Meilenstein machen – würde es sich dabei nicht noch um so wunderschöne Musik handeln.
Exponenten von Klassik und Jazz haben immer wieder versucht, eine logische Verbindung zwischen beiden Musikrichtungen zu finden. Selten mit Erfolg, denn meistens kippte es in die eine oder andere Richtung und wurde somit für die Anhänger der jeweils anderen uninteressant. Gitarrist Joel Harrison scheint nun derjenige zu sein, der die Zauberformel gefunden hat. Auf seinem neuen Album „The Wheel“ sucht er nicht auf kürzestem Weg nach der Synthese zweier Klangprinzipien, sondern hebt bestimmte Momente von Klassik und Jazz hervor, um in jedem Satz neue Dichte- und Durchdringungsgrade zu finden.

Joel Harrison: The Wheel
„The Wheel“ ist eine runde Sache. Ein Stück Musik, das in seinen Grundelementen keineswegs revolutionär ist. Harrison ist Lichtjahre von jeder Avantgarde entfernt. Auf altbewährten Gefährten macht er sich auf in neue Galaxien. Das macht seine Musik nicht nur spannend und visionär, sondern auch angenehm und in beinahe jeder Lebenslage hörenswert.
Bei seinem neuesten Album, einem ambitionierten Orchesterprojekt greift Jim Beard mit dem niederländischen Metropole-Orchester unter der Leitung Vince Mendozas einige seiner älteren Kompositionen wieder auf. Diese groß angelegten Neufassungen bestätigen die Tiefe von Beards überragendem kompositorischen Können. Und auch wenn sich entlang des Weges gewisse Einflüsse zeigen - ein Hauch von Aaron Copland hier, ein bisschen Burt Bacharach und eine gesunde Dosis Joe Zawinul mit gelegentlichen Anflügen von Igor Strawinsky da -, weisen seine Kompositionen, von denen jede in ihrem eigenen Orbit kreist, doch eine unbestreitbare Individualität auf.

Jim Beard: Revolutions (Hybrid CD/SACD)
Als Sideman hat Keyboarder Jim Beard eine eindrucksvolle Zahl von Einsätzen bei Tourneen und Aufnahmen mit Leuten wie Pat Metheny, Wayne Shorter, John McLaughlin, John Scofield, Mike Stern, Bill Evans, Bob Berg, Victor Bailey und den Brecker Brothers vorzuweisen. Aber erst als eigenständiger Leader hat der in Philadelphia geborene und an der Indiana University studierte Musiker sich als begnadeter Arrangeur, versierter Komponist, gefragter Produzent und cleverer Konzeptualist profiliert.
Der europäische Jazz definiert sich zunehmend über Piano-Trios. Neben all den Esbjörn Svenssons und Marcin Wasilewskis haben es nachrückende Piano-Trios immer schwerer, ihre eigene Nische zu besetzen. Nicht so die junge Hamburger Pianistin Anja Mohr. Als sie Ende 2004 ihr Trio mit Willi Hanne und Andreas Edelmann aufbaute, hatte sie noch keine Ahnung von dem bevorstehenden Piano-Trio-Boom. Sie ließ sich einfach von ihrer eigenen Intuition treiben

Anja Mohr Trio: Abend
Man muss sich nicht lange auf die Musik einlassen, um hier einen besonderen Zugang zum Konzept des Piano-Trios zu finden. Es ist nicht nur der Umstand, dass Anja Mohr physische Wucht und spirituelle Verträumtheit auf einzigar-tige Weise verbindet. Die verführerische Kraft ihres Piano-Spiels geht eher von einem Mangel aus. Ein Mangel an Respekt und Verwurzelung in der Jazz-Tradition, der ihr neue Wege öffnet. Obwohl die Pianistin alles andere als eine Revoluzzerin ist, scheint sich der Jazz in ihrem Spiel gerade selbst neu zu erfinden. Sie fabuliert mit einer derart beeindruckenden Unbefangenheit, als würde sich mitten im Winter ein großes Scheunentor öffnen und den Blick auf eine prallbunte Blumenwiese freigeben
Fourscore sind vier junge deutsche Jazz-Musiker, und doch brauchen sie nichts weniger als Aufkleber wie „Young German Jazz“ oder „The Next Generation“. Fourscore können gut damit leben, dass man auf sie steht oder nicht, dass man ihre Jazz-Auffassung teilt oder ablehnt. Denn sie haben etwas zu erzählen.

FourScore: Add To Friends
Ohne Liebhabern tradierter Jazz-Auffasssungen vor den Kopf zu stoßen, legen die vier Musiker neue Gleise aus. Ihr Album klingt wie der Beginn einer Reise, dessen Ausgangspunkt man genau kennt. Sie bieten Orientierung, indem sie Gewohntes und lieb Gewordenes zulassen. Ein fragile Beziehungsgeflecht von Damals und Heute, Hier und Dort macht bei allem Traditionsbezug eindeutige Zuordnungen unmöglich. Die beinahe symbiotischen Unisoni von Gitarre und Saxofon, die sanften Funk-Grooves von Bassist Heiko Jung und Schlagzeuger Nevyan Lenkov, die traumwandlerischen Soli, der Verzicht auf jeglichen musikalischen Ballast, das selbstsichere Understatement im gesamten Erscheinungsbild der Band verraten einen Umgang mit den Grundwerten des Jazz, wie man ihn entspannter heute kaum findet
February 10, 2008 — Joe Zawinul’s Brown Street, was honored with a GRAMMY® Award by the National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS). The 50th Annual GRAMMY® Awards Ceremony was held at the Staples Center in Los Angeles on February 10, 2008.
Keyboardist/composer/bandleader Joe Zawinul, who rose to fame as one of the creators of jazz fusion, died on September 11, 2007. Zawinul’s final album, Brown Street (INT 34502), was released in North America on February 27, 2007 via INTUITION´s US Licensee Heads UP. The two-disc set captured Zawinul, a few of his longtime friends and collaborators, and the 15-piece WDR Big Band in an electrifying live performance. Recorded in October 2005 at Zawinul’s own Birdland Club in Vienna, Brown Street showcased Zawinul, Syndicate drummer Nathaniel Townsley, Weather Report and Syndicate bassist Victor Bailey and Weather Report drummer/percussionist Alex Acuna in expanded, orchestral renditions of some of the finest Zawinul compositions from the highly influential Weather Report oeuvre. |