Home Unser Label Kontakt Newsletter Impressum
Geschichte | Programm | Kataloge
intuition > CDs > Jazz > Nils Wogram & Root 70 - Fahrve...
Warenkorb
 0 Produkte / 0,00 €
Mein Shop
Produktsuche
   
Detailsuche
Kataloge 
  Classics
  Entspannung
  Jazz
  midprice
  Neuerscheinungen
  Pop
  Weltmusik
Künstler
Tourdaten
Midprice
AGB
Haftungsausschluss
WERGO
Deutsch
English
Nils Wogram & Root 70 - Fahrvergnügen
CD
Komponist: Root 70 - Nils Wogram
Interpret: Hayden Chisholm - Matt Penman - Root 70 - Jochen Rückert - Nils Wogram
Nils Wogram: trombone, melodica / Hayden Chisholm: altosax, bassclarinet / Matt Penman: bass / Jochen Rückert: drums
Bestell-Nr.: INT 33972 14,99 €  In den Warenkorb

Preis inkl. MwSt. und zzgl. Versandkosten
„Wenn man sich das Werk von Bach anhört, ähnelt sich vieles davon. Aber es bleibt schöne Musik. Und schöne Musik mit einem Bedürfnis nach Tiefe ist mir allemal lieber, als mit jeder Platte krampfhaft etwas neues zu erfinden.“ Nils Wogram

Nils Wogram behauptet nicht nur unangefochten die Stellung als wichtigster und einflussreichster deutscher Posaunist seit Albert Mangelsdorff, seine Band Root 70 gehört auch zu den wenigen deutschen Jazz-Gruppen mit einem originären, zugänglichen und in höchstem Maße wiedererkennbarem Sound. Die Gruppe mit Posaunist Wogram, Altsaxofonist und Bassklarinettist Hayden Chisholm, Bassist Matt Penman sowie Drummer Jochen Rückert besteht nicht etwa seit 1970, aber immerhin seit 2000. Mit ihrem Album „Getting Rooted“ vollzogen sie die Quadratur des Kreises. Sie führten den Jazz zu völlig neuen Ufern, ohne die Errungenschaften der Vergangenheit zu leugnen oder gar zu überwinden.

Das Logo der Band, die zu gleichen Teilen mit Musikern aus Deutschland und Neuseeland besetzt ist, klingt zunächst nach einem musikalischen Programm, das sich an den Siebzigern orientiert. Die warmen, verbindlichen Verwebungen der beiden Bläser untereinander sowie der Bläsersektion mit der Rhythmusgruppe legen in der Tat den Verdacht nahe, man würde sich am Sound der Seventies oder späten Sechziger orientieren. Laut Wogram bezieht die Musik ihre Spannung jedoch nicht aus dem Widerspruch zwischen Tradition und Avantgarde, sondern aus den persönlichen Sichtweisen der Musiker. „Es geht bei uns nicht um Vergangenheitsbewältigung. Die Idee bestand in der Gründung einer Band von Leuten, die sich schon länger kennen. Musiker aus Neuseeland und Deutschland können durchaus ähnliche Wurzeln und Arbeitsweisen haben. Hayden, Jochen und ich kennen uns seit Anfang der Neunziger aus Köln. Matt und Hayden drückten bereits zusammen die Schulbank, und Jochen lernte Matt separat in New York kennen. Es gibt in der Band also viele Querverbindungen. Wir alle sind in den Siebziger Jahren geboren worden. Daher die Wurzel.“

Es fällt Root 70 nicht schwer, die persönliche Eingeschworenheit in einen homogenen Bandsound zu transformieren. Selten hat eine Gruppe bei derartiger kollektiver Intensität eine ähnliche klangliche Leichtigkeit erzielt. Der Ensemblegeist des Quartetts speist sich zunächst aus einem hohen gegenseitigen Respekt der vier Musiker. Die Stücke stammen zwar ausschließlich aus Wograms Feder, aber im vereinten Spiel werden sie zum gemeinsamen Eigentum der Gruppe. „Wir versuchen nicht als vier Einzelspieler aufzutreten“, bekennt der Posaunist, „sondern einen Sound zu schaffen, bei dem sich die einzelnen Stimmen gut mischen. Daran haben wir seit vielen Jahren gearbeitet. Wir haben gelernt, die unterschiedlichen Mischungsverhältnissen innerhalb der Band auszureizen.“

Das Zauberwort ist Klangkultur. Der Bandsound steht über der Summe der individuellen Stimmen. Unaufdringlicher als auf „Fahrvergnügen“ kann man das hohe musikalische Können der vier Rootisten kaum einbringen. Wogram und Co setzen sich keine spielerischen Marken, die sie erreichten müssen, sondern stellen ihre Instrumente allein in den Dienst der Musik. Und plötzlich kitzeln sie im Hörer die Erinnerung: Ach ja, Jazz ist ja keine sportliche Disziplin, bei der es um Höchstleistungen ginge, sondern Musik. Wogram ist Posaunist aus Überzeugung, wollte aber „niemals die technischen Schwierigkeiten in den Vordergrund stellen. Ich will alles spielen können, was ich höre. Wir alle haben intensiv daran gearbeitet, unsere Interessen für andere Musik und andere Instrumente einzubringen. Hayden ist ein Weltenbummler, der sich in Osteuropa, Indien und Afrika mit der jeweiligen Musik beschäftigt hat. Jochen programmiert auch elektronische Musik, und Matt hat sich nicht nur mit Bassisten, sondern auch mit anderen Instrumentalisten auseinandergesetzt.“

So zeigen Root 70 nicht zuletzt im Umgang mit ihren Soli, wo ihr musikalischer Anspruch hängt. Nur die wenigsten Soli nimmt man überhaupt als Alleingänge wahr. Sie sind vielmehr individuelle Schattierungen eines ganzen Geflechts von Konstellationen, die in dieser Band möglich sind. Die Großzügigkeit, mit der Wogram das Material auf seine Mitspieler zuschreibt, erinnert an die größten Momente des Jazz. „In dieser Hinsicht sind Ellington, Mingus und Miles große Vorbilder für mich. Sie haben die Musiker machen lassen, ohne viel zu erklären. Meistens klingt das dann besser, als was ich mir ursprünglich ausgedacht habe.“

Ohne Frage können die vier Mitglieder von Root 70 auch jenseits der Band solistische Pfade verfolgen. Rein geschäftlich ist das Bandgefüge im Jazz eher hinderlich, denn wann man einmal alle Festivals und Clubs abgeklappert hat, ist es als Band viel schwerer, noch einmal eingeladen zu werden, als unter den Projektbezeichnungen einzelner Musiker. Doch Wogram und Co. geht es viel mehr um die Reaktion auf langfristige künstlerische Herausforderungen. „Der Vorteil einer Band besteht darin, so gut eingespielt zu sein, dass man über lange Zeit einen ganz eigenen Sound entwickelt kann. In kurz angelegten Projekten oder Sessions ziehen alle Beteiligten ihre Show ab, aber es fehlt oft die Tiefe. In einer Band fällt die sportliche Seite weg. Man kann viel speziellere Sachen ausprobieren. In Root 70 können wir zum Beispiel viel mit ungeraden Rhythmen wie in der osteuropäischen Musik oder mit indischen Intonationen arbeiten. Diese Dinge werden so subtil eingebracht, dass sie gar nicht weiter auffallen. Das geht natürlich nur, wenn man über viele Jahre zusammenarbeitet.“

Das Erfolgsrezept von Root 70 besteht nicht zuletzt darin, dass sie sich den Fallen und Fährnissen kurzzeitiger Trends verweigern. Allein schon durch die Herkunft ihrer Mitglieder entgehen sie der gerade in Deutschland zunehmenden Verortung von Jazz, die der Freiheit dieser Musik keineswegs zuträglich ist. Doch auch in jeder anderen Hinsicht erfreut sich Root 70 einer erfrischenden Trendresistenz. „Der klassische Fehler erfolgloser Jazzmusiker besteht ja darin, dass einen DJ hinzuziehen, um Dancefloor mit intellektuellem Hintergrund zu machen. Meist funktioniert das nicht. Bei uns merkt kaum jemand, wie viele Elemente aus anderen Kulturen oder Musikrichtungen einfließen. Unsere Musik wird als Jazz wahrgenommen, ohne dass man das Gefühl hat, mit Drum’n’Bass oder bulgarischer Musik bombardiert zu werden.“

Musikalisch setzt Wogram auf Kontinuität. Mit jeder Platte ein neues grundlegendes Statement zu verfassen, ist nicht sein Ding. Dass die neue CD von Root 70 der letzten in vieler Hinsicht ähnelt, ist ihm eher als Stärke anzurechnen. Die Platten gleichen einander nicht, bauen aber aufeinander auf. „Stilistisch sind wir relativ nah an unserer letzten Platte dran, aber ich bin davon überzeugt, dass man sich auch innerhalb eines Bandsounds entwickeln kann. Man muss nicht automatisch die Errungenschaften der letzten Platte reproduzieren, aber in einer Band gibt es immer wieder Situationen, die einander ähnlich sind. Ich habe nicht versucht, künstlich Ähnlichkeiten zu vermeiden, nur um einen neuen Sound herauszustellen. Wenn es um die Musik geht, wird man sich nicht so schnell wiederholen.“

„Fahrvergnügen“ ist ohne Einschränkungen ein Hörvergnügen. Eine Platte, die den Intellekt erst anspricht, nachdem sie das Ohr erreicht hat. Jazz, über den man nicht nachdenken muss, auf den man sich aber einlassen und mit dem man sich beschäftigen kann. Musik voller Charakter, Kraft, Wärme und Liebe zum Detail. Jazz mit Musik und Musik mit Jazz.
Inhalt:
Breathing
The Myth
Bird's Trip
Desert
Lost Keys
Lunch Break
The Lake
Time Flies
Slow Mill
Nils Wogram & Root 70 - Fahrvergnügen
Bestell-Nr.: INT 33972 14,99 €  In den Warenkorb
 Drucken    Seitenanfang